Wie ein Thema stirbt (volo@work)

Quelle: http://akademie.dw.de/voloatwork/wie-ein-thema-stirbt/

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Unser Blog möchte mit dem Alltag unseres Vololebens bestückt werden. Ich bin gerade in der Onlineredaktion Nachrichten. Nachrichten kennen keine Uhrzeit, also muss es in der Redaktion Nachtschichten geben – und ich wollte ausprobieren, wie das ist. Klar habe ich schon einmal eine Nacht durchgemacht, sei es geselliger Natur oder am heimischen Schreibtisch, wenn ein Abgabetermin mal wieder viel zu schnell kam oder in der Unibib bei drei Klausuren in fünf Tagen. Aber so offiziell ist das was anderes.

Da könnte ich doch was für den Blog machen, dachte ich. Im Nachrichtenstil – man muss ja im Thema bleiben. Oder im Tagebuchformat mit Uhrzeiten. Oder vielleicht sogar als Twitter-Tagebuch? Alles war halbwegs geplant, für jede Idee stand ein grobes Gerüst. Sogar meine Kamera hatte ich dabei. Und dann kam die Fahrradfahrt.

Am Ende die Erkenntnis: Das war wohl nix

Als ich mich aufs Fahrrad schwang, wollte ich mir eigentlich überlegen, für welche journalistische Form ich mich entscheide. Und dann traf es mich, urplötzlich, ohne Vorwarnung:

Wen interessiert das eigentlich?

Wer will wissen, wann ich meinen Tiefpunkt habe, wie viele Kaffees ich brauche, dass ich als letzten Joker Tassen-Tomaten-Tüten-Suppe dabei habe oder was mein Tippfehler der Nacht ist? Null Mehrwert. Zwar wäre der Arbeitstitel “Meine erste Nachtschicht” nie der reale Titel geworden, aber trotzdem konnte ich nicht anders als bei dem Gedanken ständig den Kopf zu schütteln. Gut zwanzig Minuten später parkte ich mein Rad, mittlerweile mit der Erkenntnis, dass die Banalität des Themas kaum mehr zu überbieten ist. So viele Menschen machen das Nacht für Nacht. Zehntausende. Wenn nicht gar Hunderttausende. Adieu, Blogbeitrag!

Relevanzcheck. Immer!

Man kann sich als Journalist – und ich schreibe bewusst nicht Jungjournalist – gar nicht oft genug fragen: Ist das relevant? Wenn ja, für wen? Welcher Aspekt könnte neu sein? In meinem Fall hätte ich die erste Frage wohl nur mit “ja” beantwortet, wenn etwas Außergewöhnliches passiert wäre. Ist es aber nicht.

Aber die Kamera hatte ich doch nicht umsonst mitgenommen. Unsere Gebäudenachbarn zeigten an dem Abend, was sie alles mit ihrer Lichtanlage machen können. Die Angeber.

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Uta Steinwehr brauchte nur einen einzigen Kaffee und musste nicht an ihre Tütensuppenreserve. Der Tippfehler der Nacht war “Lustraum” bei einem Artikel über den Syrieneinsatz. Was ihr sonst noch in Erinnerung blieb: Mitte Dezember zwitscherten früh morgens die Vögel. Twitter: @u_stw.

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